Mobbing im Büro: Statistiken, Ursachen und Folgen

Der Amoklauf von Winnenden hat erneut das Thema “Mobbing” in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Doch nicht nur Kinder und Jugendliche sind betroffen - auch im Arbeitsalltag ist Mobbing leider üblich. Mobbing macht krank und kostet die betroffenen Betriebe viel Geld. Rund 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland leiden unter Mobbing am Arbeitsplatz

– so die Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem Jahr 2002. Am häufigsten sind Auszubildende betroffen - gefolgt von älteren Mitarbeitern. Gemobbt wird, wer hierarchisch unter dem Mobber steht, und auf den dieser neidisch ist. Neid und konkurrierende Bedrohung entstehen, wenn neue Mitarbeiter kommen, die jünger, innovativer, kreativer und begeisterter an ihre Aufgaben herangehen als der Mobber selbst. In Ausnahmefällen wird zwar auch gemobbt, wenn jemand zu wenig Leistung bringt - doch das ist tatsächlich die Ausnahme!

Meist geht Mobbing von Vorgesetzten aus. Der typische “Mobber” ist männlich, zwischen 35 und 54 Jahre alt, Vorgesetzter und schon länger im Betrieb beschäftigt. Gemobbt wird vor allem durch das gezielte Herabwürdigen von Leistung. Es folgen und begleiten: Beleidigungen, Ignorieren, Sticheleien, üble Nachrede und die Übertragung von “Aschenputtelaufgaben” -also zu leichte oder zu schwere schikanöse Arbeitsaufträge.

Hier ein paar Zahlen aus dem Mobbing-Report des Jahres 2002 im Überblick:

  • 2001 wurden 2,7 Prozent der Berufstätigen aktuell gemobbt. Insgesamt gaben 11,3 Prozent der Befragten an, schon einmal gemobbt worden zu sein, also jeder 9. Berufstätige
  • Die durchschnittliche Dauer von Mobbing, bis Hilfe gesucht wird, beträgt 6,7 Monate. Beendet wird Mobbing üblicherweise durch Kündigung bzw. Arbeitsplatzwechsel
  • Besonders häufig betroffen sind folgende Berufsgruppen: soziale Berufe (2,8-faches Risiko), Verkaufspersonal, Bank- Versicherungspersonal, Techniker, Gesundheitsdienst, Rechnungskaufleute, Informatiker, Büroberufe (1,3 faches Risiko)
  • Mobbingopfer gaben folgende Gründe als häufigste Ursachen an: ich habe Kritik geäußerst (60,1 %); ich wurde als Konkurrenz empfunden (59,7 %); Mobber empfand Neid (39,7 %); ich hatte Spannungen mit Vorgesetzten (39,4 %). Weiter Hauptmotive waren: man wollte Fehler auf Schwächere abwälzen; mein unorthodoxer Arbeitsstil bzw. Aussehen passten nicht; ich war neu in der Gruppe; ich bin Außenseiter durch Nationalität, Geschlecht, sexuelle Orientierung
  • Für Frauen ist das Risiko, gemobbt zu werden, um 75 Prozent höher als für Männer
  • Vorgesetzte mobben in 38,2 % der Fälle allein - in 12,8 % gemeinsam mit Kolleg/ innen. In etwa 20 % sind nur Kolleg/ innen Mobbingakteure - gemeinsam oder als Einzelperson
  • In zwei Drittel der Betriebe, in denen aktuell gemobbt wurde, hat es auch früher schon Mobbing-Opfer gegeben
  • 43,9 Prozent der Mobbing-Opfer werden krank durch die Schikane, davon die Hälfte länger als 6 Wochen

Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass Mobbingopfer zu Amokläufern werden (die Identifikation im Beruf ist einfach zu niedrig für eine solche Verzweiflungstat), sollte nach Lösungen gesucht werden, da Mobbing einfach ein teurer Luxus ist: betroffenen Betrieben entsteht durch den Arbeitsausfall und das schlechte Betriebsklima ein hoher wirtschaftlicher Schaden, der gerade in der jetzigen Krise entscheidend sein kann für das weitere Überleben.

Denn gemobbt wird strukturell: durch Unzufriedenheit, Angst, mangelnde Geborgenheit und mangelnde Sicherheit. Die Vorgesetzten, die mobben, stehen meist selbst unter starkem Druck. Mobbing ist ein Ventil für gestresste, unsichere Menschen, die sich überfordert fühlen. Präventive Maßnahmen, um ein Unternehmen “mobbingfrei” zu halten, sind ganz eindeutig im Betriebsklima verankert. Gerade die Möglichkeit, Kritik zu äußern, muss strukturell gegeben sein -sonst fühlen sich Kritisierte zu Recht bedroht -und greifen zu Gegenmaßnahmen.

Es ist wie im Tierreich: die Rudelstärkeren verteidigen ihre Position so lange nach besten Kräften, bis ein jüngeres stärkeres Tier sie besiegt. Die ältere, schwächeren, müssen erleben, wie sie am Ende ihres (Arbeits-)lebens zum mehr oder weniger geduldeten Außenseiter werden. Das wissen und fürchten sie. Sie versuchen, diesen schmerzhaften Prozess so lange wie möglich hinauszuschieben.

Neben den gefährlichen Konkurrenten sind auch “Paradiesvögel” gerne Mobbingopfer, da sie den gewohnten Alltag durcheinanderbringen. Auch hier hilft einzig und allein eine Unternehmenskultur, die Kreativität und Querdenken ermöglicht, ohne dass sich die “Mittelmäßigen” bedroht fühlen. Denn gerade die Kreativen halten ein Unternehmen jung und ermöglichen den ständigen Wandel -ohne den heute niemand mehr auf Dauer eine Chance hat - noch nicht einmal ein Handwerksbetrieb…

Es sind also präventive Maßnahmen erforderlich -und die müssen von der Führung ausgehen. Mobbing wird üblicherweise mit Kündigung oder Arbeitsplatzwechsel beendet. Ist der Karren erst einmal festgefahren, gibt es sehr sehr selten die Möglichkeit des Wandels! Und dann sind sie weg, die Vor-und Mitdenkenden, die Begeisterten, die Kritikfähigen und die Kreativen.

Darum muss ein ständiger Prozess des konstruktiven Miteinanders entstehen - aber ohne Psycho-Druck, ohne Heuchelei und Langeweile. Die Mitarbeiter sollen sich darauf freuen, einmal im Monat miteinander im Gespräch zu sein und Neues zu durchdenken. Nur dann, in Transparenz und Aufrichtigkeit, können Unternehmen die Leistungspotentiale aller ihrer Angestellten bündeln. Mobbing ist nicht nur grausam - sondern auch ökonomisch gesehen die pure Verschwendung von Human-Capital. Lieber gemeinsam mal öfter eine Tasse Kaffee zusammen trinken! Das verbindet und macht gute Laune…

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