8 Tipps zum richtigen Umgang mit dem Chef

Studien zeigen Jahr für Jahr, wie viele Mitarbeiter unzufrieden mit ihren Vorgesetzten sind - und wie schädlich diese Missstimmung für das Unternehmen ist. Jeder weiß es - keiner ändert es. Drum ist wohl der erste Grundsatz für ein reibungsloses Miteinander: “Nimm Deinen Chef wie das Wetter, diskutiere nicht mit ihm und versuche nicht, ihn zu ändern”. Doch das ist nicht der einzige Weg zu einem gesunden Betriebsklima

Meistens ist es doch so: Stimmen die Zahlen, stimmt auch die Stimmung. Sind die Zahlen schlecht, sind die anderen schuld. Ob Chef, “Sandwich-Vorgesetzter”, Angestellter oder Hilfsjobber - bei der Schuldfrage sind sich alle einig. Nur leider führt diese Einigkeit zur totalen Uneinigkeit - denn jeder schiebt ja die Schuld auf den anderen!

Natürlich lieben Chefs ihre Mitarbeiter, wenn die Gewinne immer weiter steigen. Die von Mitarbeitern am meisten geliebten Unternehmen sind stets die, die auch sehr erfolgreich sind: von Google bis zu SAP. Doch droht der Stern zu sinken, bleibt von der vorbildlichen Unternehmens-Philosophie wenig übrig. Spätestens wenn Entlassungen drohen, zeigt sich, was wirklich noch bleibt von der großen, glücklichen Familie…

Gerade jetzt, in Zeiten einer existenziellen wirtschaftlichen Umwälzung, sinkt auch das Betriebsklima in vielen Firmen. Die Angst geht um, und Perspektivlosigkeit ist kein guter Motivator. Die Enttäuschung und Sorge kann den Untergangsprozess beschleunigen - vielleicht sogar entscheidend auslösen.

Nicht nur die Vorgesetzten sind verantwortlich für die Entwicklung eines Unternehmens. Die Mitarbeiter haben viel größeren Einfluss, als sie vielleicht selbst realisieren. Wenn eine Belegschaft in schwierigen Zeiten zusammensteht und der Chef Rückendeckung spürt, ist das für alle Seiten ideal. Doch leider sind wir aus Kindertagen so geprägt, dass wir immer den vermeintlichen Autoritäten die Richtung abverlangen. Wir leben im Beruf oft wie groß gewordene Schüler, die die Lehrer als gut oder doof bewerten und gar nicht auf die Idee kommen, den Unterricht selbst zu beeinflussen!

Gerade jetzt wäre es gut, erwachsen zu werden. Drum ist die ersten Grundsatzfragen:

1. Will ich weiter in diesem Unternehmen arbeiten? Bin ich mit meinen Aufgaben am richtigen Platz und mag ich meinen Job?
(Die meisten Menschen behaupten, nur deshalb arbeiten zu gehen, weil sie “müssen”. Doch wehe, sie werden arbeitslos! In der Rückschau wird genau dieser so bejammerte Job dann plötzlich zum “verlorenen Paradies”…)

2. Sehe ich mich als qualifizierten Dienstleister gegenüber meinen Vorgesetzten? Habe ich Fähigkeiten und ein Produkt, das für das Unternehmen wichtig ist und das ich selbstbewusst vertreten kann?
(So austauschbar, wie viele Mitarbeiter denken, sind sie oft gar nicht! Gerade im Dienstleistungsbereich ist es schmerzhaft, wenn plötzlich ein Baustein fehlt - der ganze Organismus wird betroffen. Machen Sie sich klar, wie wertvoll Ihre Arbeit ist!)

3. Unter welchem Verhalten meines Vorgesetzten leide ich genau? Wann tritt dieses Verhalten auf - und wie reagiere ich normalerweise darauf?
(Wir verhalten uns gegenüber Vorgesetzten schnell wie Kinder. Werden trotzig, aggressiv, oder ziehen uns zurück und leiden. Nur eine gründliche Analyse kann uns aus dieser so genannten Regression befreien. Denn eigentlich sind wir Partner! Vorgesetzte sind Auftraggeber, Mitarbeiter liefern Leistungen…)

4. Wie würde ich mir mein Unternehmen und meinen Umgang mit den Vorgesetzten bestmöglich vorstellen?
(Viele Mitarbeiter bleiben im Stöhnen, Beschweren und Diskutieren hängen. Abend für Abend jammern sie bei ihren Liebsten zu Hause über die Arbeit. Doch sich mal zu träumen wagen, wie ein tolles Betriebsklima mit genau diesen Menschen aussehen könnte - das will man meistens nicht. Leiden ist eben schöner als verändern??? )

8 Tipps für den richtigen Umgang mit ihrem Chef

Wenn Sie diese Grundsatzfragen für sich beantwortet haben, und wenn Sie zu dem Schluss gekommen sind, dass Sie gerne in diesem Unternehmen mit diesen Menschen und diesem Aufgabenfeld weiterarbeiten möchten, dann kann man durch einfache Verhaltensregeln schon wieder einen Schritt in Richtung positiver Veränderung gehen, und zwar:

  1. Nehmen Sie Ihren Chef wie das Wetter. Es ist wie in der Ehe: den Partner ändern zu wollen, führt meist zur Katastrophe. Akzeptieren Sie Ihren Vorgesetzten so, wie er ist. Nicht durch äußerliches Verstellen, nicht durch Unterwürfigkeit und Selbstaufgabe, sondern innerlich. Egal, wie Sie sich in konkreten Situationen verhalten - und das kann sehr unterschiedlich sein: akzeptieren Sie ihn als Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen. Er ist, wie er ist.
  2. Rechtfertigen Sie sich grundsätzlich nie - suchen Sie andere Wege, um auf Ihre Leistungen aufmerksam zu machen. Bei der Schuldsuche können Sie natürlich leicht in die Rolle des Opfers geraten: vielleicht gibt Ihr Chef gerne Ihnen die Schuld, wenn etwas nicht funktioniert. Und wenn Sie diese Rolle annehmen, werden sicher auch die Kollegen begeistert mitmachen. Dann gibt es den Sündenbock - und den hat jeder zum “Fressen gern”.Rechtfertigungen verstärken Vorwürfe immer - drum Hände weg von Diskussionen wie “Aber ich hab doch gar nicht…”
  3. Betreiben Sie ein persönliches Marketing - verkaufen Sie Ihre Leistungen und Qualitäten über eine Strategie. Angestellte sehen leider ihren Beruf selten als “Geschäftsfeld”. Doch gerade diese Haltung ist wichtig für den beruflichen Erfolg. Nur wenn Sie genau abstecken, was Sie wollen, was Sie können und welche beruflichen Ziele Sie erreichen können, haben Sie eine Chance, diese Ziele auch zu verwirklichen. Darum ganz wichtig: erarbeiten Sie ein “Marketing-Konzept” für sich, und leben Sie mit diesem Konzept! Auch wenn der Chef dies nicht bewusst erfährt - es wird seinen Respekt vor Ihnen steigern und er wird spüren, dass Sie sich nicht als abhängig und klein definieren.
  4. Betrachten Sie Ihren Chef als Menschen, bauen Sie eine Beziehung zu ihm auf. Wenn Sie die Möglichkeit hätten, auf Seminare zu gehen, wo Vorgesetzte ihre beruflichen Probleme diskutieren, Sie würden staunen. Es ist nämlich häufig viel schwerer, Menschen zu führen - als geführt zu werden. Jeder Mensch sucht nach Anerkennung und Zuneigung. Doch viele Chefs müssen auf diese Zuneigung verzichten, schon weil ihre Mitarbeiter befürchten, ansonsten als “Streber” von den Kollegen gemieden zu werden. Interessieren Sie sich für den Menschen, der hinter der Rolle steckt. Das ist keine Schwäche, das ist menschliche Großzügigkeit und Stärke.
  5. Holen Sie sich Anerkennung für Ihre Leistungen. Jeder Mensch will für das, was er leistet, die entsprechend Wertschätzung erfahren. Doch leider sind viele Vorgesetzte nicht in der Lage, diese Anerkennung zu geben. Suchen Sie Wege, um sich die verdiente Anerkennung zu holen! Fragen Sie Ihren Vorgesetzten direkt, ob Ihre Leistung gut war, oder fragen Sie Ihre Kollegen. Nur keine Angast vor Kritik! Wir selbst kritisieren uns meistens viel schärfer als die Außenwelt, da wir selbst die höchsten Ansprüche an uns stellen.
  6. Nur wer sichtbar ist, wird wahrgenommen. Es ist für viele Menschen eine große Überwindung, sich in den Vordergrund zu setzen - gerade für Frauen. Das berühmte “fleißige Lieschen” verliert immer gegen den schneidigen “Hans-Dampf”, der viel redet und wenig tut. Gehen Sie aus sich heraus und suchen Sie den ständigen Kontakt mit Ihrem Chef. Er muss und soll ich immer wieder an Sie und Ihre Anliegen erinnern - auch wenn dann mal kommt: “Was ist denn jetzt schon wieder…”
  7. Sprechen Sie aus, was Sie bedrückt. Je konkreter Sie sind, desto besser. Falls Sie unter der cholerischen Ader des Chefs leiden, nutzen Sie die nächstmögliche Gelegenheit, um es klar zu formulieren: “Wenn Sie unvermittelt aufbrausen, setzt mich das unter Druck und ich ziehe mich zurück. Aggression macht mir Angst”. Sie werden sehen, wie allein dieses Geständnis dem Problem die Spitze abbricht. Sie fühlen sich wie befreit.
  8. Es gibt ein Leben vor, neben und nach der Arbeit: sehen Sie Ihren Beruf nicht zu eng an das Unternehmen und Ihre Rolle dort geknüpft. Auch in Zeiten, wo Massenentlassungen an der Tagesordnung sind, gibt es Alternativen zum jetzigen Arbeitsplatz (oder gerade dann). Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht auf Gedeih und Verderb an Ihr Unternehmen gebunden sind. Knüpfen Sie Netzwerke, interessieren Sie sich für Fortbildungen, andere Unternehmen, andere Aufgabenfelder. Ihr Beruf ist Ihr Handwerkszeug, ihr persönlicher Schatz, mit dem Sie arbeiten können. Arbeit macht nur Freude, wenn sie freiwillig geleistet wird. Wenn Ihr Chef sieht, dass Sie entscheidungsfähig sind, wird er Ihre Leistung besser würdigen und sich um Sie bemühen. Denn gute Leute findet man nicht so leicht - und neue Mitarbeiter einzuarbeiten, ist kein Kinderspiel. Sie werden gebraucht!

Hinterlasse eine Antwort

Coffee at Work