Über zwei Millionen Menschen in Deutschland nehmen regelmäßig Schlaftabletten - und die Zahl der Medikamenten-Süchtigen steigt ständig weiter an. Vor allem Frauen leiden unter Schlafstörungen, und die Spirale Stress - Übermüdung- Stress kann auf Dauer zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Doch man ist nicht hilflos ausgeliefert…
Wann spricht man eigentlich von Schlafstörungen?
Natürlich kann man nicht immer gut und tief ganze Nächte durchschlafen. Auch Nächte, die man lange unruhig wachliegt, sind normal, - wenn es nicht zu oft passiert. Von Schlafstörungen spricht man, wenn
- man länger als einen Monat lang mindestens dreimal in der Woche schlecht schläft
- man durch erlittenen Schlafmangel tagsüber in seiner Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt ist
- man seelisch sehr unter den Schlafstörungen leidet
Welche Symptome zeigen Schlafstörungen?
- regelmäßig länger als eine halbe Stunde wach liegen, bevor man einschlafen kann
- häufiges nächtliches Aufwachen - das erneute Einschlafen fällt schwer
- Angstzustände während der unfreiwilligen Wachphasen, Schwitzen und Herzrasen
- Morgens viel zu früh erwachen, ohne erneut einschlafen zu können
Frauen sind häufiger betroffen als Männer - und mit dem Eintritt der Menopause verschlechtert sich die Schlafqualität schon aus hormonellen Gründen besonders häufig. Leider greifen viele Frauen irgendwann verzweifelt zu Schlafmitteln - und die Ärzte werden beim Verschreiben der süchtig machenden Medikamente immer sorgloser. Neben den altbekannten Benzodiazepin-Vertretern haben sich Zolpidem und Zopiclon etabliert - seit 1991 am Markt, gehören sie heute zu den erfolgreichsten Schlafmedikamenten.
Da immer mehr Privatrezepte ausgestellt werden, erfahren die Krankenkassen nichts über Langzeitmissbräuche. Die Konsequenzen einer Medikamentenabhängigkeit sind verheerend. Nicht nur, dass die erwünschte Wirkung nach einiger Zeit nur bei Erhöhung der Dosis eintritt - die Nebenwirkungen sind so gefährlich, dass irgendwann ein Entzug ansteht - und kaum ein Suchtmittelentzug ist so entsetzlich und langwierig wie der von Schmerz- Schlaf- und Beruhigungsmitteln.
Was kann ich bei Schlafproblemen tun?
Der Griff zu den kleinen bunten Helfern geschieht meist erst dann, wenn die Verzweiflung über den permanenten Schlafentzug unerträglich wird. Gerade der zunehmende Stress im Beruf verlangt absolute Konzentration und gleichbleibende Leistungsfähigkeit. Da ist es verführerisch, dem Problem durch einen Arztbesuch ein kurzfristiges vorläufiges Ende zu setzen. Doch es gibt Alternativen!
- Führen Sie ein Schlaftagebuch. Bringen Sie Bewusstsein in Ihren Schlaf - und in Ihre Träume. Notieren Sie sich genau, wann Sie ins Bett gehen, wann Sie erwachen - und wenn Ihnen Facetten Ihrer Träume in Erinnerung sind - schreiben Sie sie auf! Der Effekt ist erstaunlich: allein durch die Aufmerksamkeit, die Sie Ihrem Schlaf entgegenbringen, verändert sich das Schlafverhalten. Vielleicht werden Sie sogar beobachten, dass Sie sich mit der Zeit immer lebendiger an Ihre Träume erinnern können… Falls Sie nicht gerne schreiben: legen Sie ein Diktiergerät neben das Bett und sprechen Sie Ihre Schlaf- und Traumerlebnisse auf Band.
- Überlegen Sie mal: wenn Sie ein Kind hätten, das abends nicht einschlafen kann, was würden Sie tun? Es so gut wie möglich müde machen - und erst hinlegen, wenn es wirklich müde ist. Das ist eine gute Regel für einen erholsamen Nachtschlaf. Legen Sie sich grundsätzlich erst hin, wenn Sie müde sind. Suchen Sie sich einen gemütlichen Platz für das letzte “Herunterkommen” - und erst, wenn Sie - am besten lesend - so richtig müde sind, tauschen Sie diese Kuschelecke gegen das Bett.
- Wenn Sie nicht einschlafen können - stehen Sie wieder auf! Nur bitte nicht fernsehen, keinen Alkohol, keine Zigarette. Das alles sind “Schlafkiller” und selten förderlich für Menschen mit ernsthaften Schlafstörungen. Gerade abendlicher Alkohol kann dazu führen, dass Ihr Körper sich schnell daran gewöhnt. Sie erwachen dann nachts wieder, weil der Alkoholspiegel sinkt und das vom Körper als unangenehm empfunden wird.
- Wunderbar ist, wenn Sie sich abends sportlich betätigen können. Viele Fitnessstudios haben heute schon sehr lange geöffnet - manche sogar 24 Stunden. Häufig sind dort gerade am späteren Abend Menschen im fortgeschrittenen Alter. Das Konditionstraining tut gut - und man ist danach herrlich müde und freut sich aufs Bett.
- Was auch Wunder wirken kann, ist ein erbauliches, “langweiliges” Buch wie die Bibel oder der Koran. Oder auch Sagen und Mythen, der Gilgamesch-Epos, die Nibelungen-Saga. Poetische Literatur mit spirituellem Grund beruhigt und entspannt. Ein Krimi hingegen kann das Gegenteil bewirken: man wird durch die Spannung gerade erst einmal so richtig wach.
- Es gibt einige Hörbücher mit meditativer Musik und Einschlafsuggestionen. Allerdings ist es empfehlenswert, sich diese CD’s im Laden erst einmal anzuhören, bevor man sie kauft. Denn der Sympathiefaktor ist sehr wichtig für den Effekt. Musik, Stimme und Text müssen zu Ihnen passen, sonst wird es nicht funktionieren.
- Viele Menschen mit Einschlafproblemen haben so genannte “restless legs” - also unruhige Beine. Da hilft oft einfach eine Magnesium-Brausetablette, etwa zwei bis drei Stunden vor dem Zubett-Gehen getrunken. Denn Magnesium ist ein wichtiges Nervennahrungsmittel, das schnell wirkt.
Grundsätzlich sind sechs bis sieben Stunden Schlaf für Menschen über 40 ausreichend. Versuchen Sie, die Schlaflosigkeit als Freund, nicht länger als Gegner zu betrachten, dann werden Sie handlungsfähig. Und werfen Sie nicht zu früh die Flinte ins Korn: Medikamentenabhängigkeit ist wirklich kein Kindespiel - es wird nur nicht gern darüber gesprochen…
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