Eine repräsentative Umfrage für das Magazin “Readers Digest” zum Thema “Lästern” hat ergeben, dass elf Prozent der Deutschen zugeben, mindestens einmal täglich über andere zu lästern. Auf dem Land lästert man häufiger als in der Stadt -und beliebteste Ziele sind Kollegen und Nachbarn. Was ist denn nun genau die Definition von Lästern -und warum ist es so beliebt?
Zur Definition:
“Lästern” bedeutet: üble Nachrede verbreiten, Andere verleumden, abfällig, hämisch und/ oder spöttisch über nicht Anwesende sprechen.
Für die Emnid-Studie wurden über 1.000 Menschen befragt. Neben den 11 Prozent Dauer-Lästerern (oder einfach ehrlichen Antworten) gaben 15 Prozent zu, mehrmals die Woche zu lästern - 18 Prozent mindestens einmal die Woche. 16 Prozent der Läster-Opfer sind Kollegen und Nachbarn, 15 Prozent Verwandte - und 14 Prozent Freunde. 11 Prozent lästern über ihre/n Vorgesetzte/n.
Besonders hervorstechend ist das Ergebnis, dass auf dem Land weit mehr gelästert wird als in der Stadt. In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern bekennen sich 35 Prozent der Befragten zu intensivem Lästern, - in Großstädten sind es nur 24 Prozent.
Was für eine Funktion hat denn nun Lästern - und wie sollte man diese unschöne Angewohnheit behandeln?
Lästern ist eine Form der Aggressivität. Sozusagen eine Vorstufe von Krieg. Manche Psychologen meinen sogar, es sei besser, zu lästern, als Aggressionen still anstauen. Lieber über Andere gemeinsam herziehen, als allein alles in sich hineinfressen.
Lästern tut gut. Es schmeichelt dem Ego, denn das Ego hat es gern, sich über andere zu erheben. Lästern setzt voraus, dass ich mich und mein Urteil höher bewerte als das jeweilige Opfer - auch wenn es der Chef ist! Es ist kein Lästern, wenn man sich bei Kollegen über Ungerechtigkeiten oder Überlastung durch Vorgesetzte beschwert.
Lästern wird es erst dann, wenn ich den Chef eindeutig abfällig beurteile. Und das kann nach hinten losgehen. Darum wird lieber über Menschen gelästert, die man hierarchisch als unter sich stehend empfindet. Man lästert gern über Azubis, über “Neue”, über Reinigungskräfte, über Kollegen, die verletzbar und angreifbar sind.
Lästern verbindet. Man schließt sich über das gemeinsame Verhöhnen zusammen und genießt das Gruppengefühl der Stärke und Überlegenheit. Schon die Körperhaltungen, die beim Lästern eingenommen werden, verraten viel über die psychologischen Effekte. Verschränkte Arme, hochgezogene Augenbrauen, gepresste Lippen: klare Signale von Aggression und Überlegenheit in der Gruppe.
Warum ist nun auf dem Land Lästern mehr verbreitet als in der Stadt? Warum wird gerade in Betrieben und eng verbundenen Nachbarschaften diesem Hobby gefrönt? Nun, die aufgestauten Aggressionen müssen ja irgendwo herkommen! Wenn man sich frei und ungebunden fühlt, gibt es keinen Grund, sich über dieses Ventil zu entladen. Lästern ist wichtig für Menschen, die sich eingesperrt fühlen, die fremdbestimmt leben, die unzufrieden sind mit ihrer Lebenssituation, ohne daraus entkommen zu können.
Außerdem wird Lästern “vererbt”. Wenn in einer Familie die Gepflogenheit herrscht, über nicht Anwesende abfällig zu sprechen, empfindet das Kind diese Gespräche als Verbundenheits-Bezeugung. Wir sind besser, höherstehender, wir sind die Gewinner. Das ganze spätere Leben sucht man sich dann wieder Situationen, in denen man dieses Gemeinschaftsgefühl zurückholen kann. Es gibt einem Schutz und Geborgenheit,mit anderen zu lästern.
Doch bei allem Verständnis für die Wellness-Aspekte der üblen Nachrede - Lästern ist eine Form von ausgeübter Aggression gegenüber Schwächeren und kann nur äußerst bedingt schöngeredet werden. Zu viele Menschen haben schon irreparable Schäden durch die geliebte Angewohnheit ihrer Umgebung davongetragen. Die bösen Konsequenzen des Lästerns rechtfertigen nicht den kurzen Genuss.
In großen, professionell geführten Firmen wird Lästern nicht geduldet. In Betrieben mit einer gelebten Unternehmenskultur schiebt das Team dem Laster Lästern schnell einen Riegel vor. Team-Gespräche und ständige Verbesserungsstrategien werden dem destruktiven Treiben wirksam entgegengesetzt. Schon nach kurzer Zeit sind alle erleichtert, wenn nicht mehr gelästert wird und stattdessen lösungsorientiert Probleme besprochen werden können.
Denn mal ehrlich -Lästern hat einen riesigen Haken: ist man selbst nicht da, wird höchstwahrscheinlich über einen selbst gelästert - und kaum jemand hat den Mut, wissen zu wollen, worum es dabei geht…
| Kommentar | Kommentar schreiben | In Kategorien | Allgemein, Februar 2009, Rund um das Büro |



Wullener Feld 9a