Klimaforschung: Jede Tasse Kaffee hat ihren eigenen “CO2-Fußabdruck”

Jede getrunkene Tasse Kaffee hinterlässt, wissenschaftlich betrachtet, einen messbaren CO2-Fußabdruck. Diese Mess-Größe haben Klimaforscher festgelegt, um zu bewerten, wieviel Kohlendioxyd ein Produkt verbraucht: von der Herstellung über den Verbrauch bis zur Entsorgung. Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt dort

“CO2 Footprint”. Und wie hoch ist ein “CO2 Footprint” nun bei einer Tasse Kaffee?

Genau berechnet liegt er zwischen 59 und 100 Gramm. Das heißt, vom Anbau der Kaffeebohnen samt Dünger und Pflanzenschutzmitteln, über die Fermentierung, über Transport, Röstung, Verpackung, Transport zum Verbraucher bis hin zur Zubereitung der Tasse in der Kaffeemaschine werden diese Mengen CO2 freigesetzt.

Die Wissenschaftler wünschen sich, dass wir unsere persönlichen CO2-Fußabdrücke wahrnehmen und unseren Lebensstil langsam verändern. Doch schon allein die Berechnung der Mengen ist natürlich aufwändig: zurzeit versuchen das Öko-Institut und Potsdamer Klimaforscher in einem Pilotprojekt, den Verbrauch von verschiedensten Produkten gemeinsam mit 10 Unternehmen zu ergründen.

Eine standardisierte Berechnung für CO2-Fußabdrücke soll gefunden werden. Diese soll leicht übertragbar werden, so dass ganz unterschiedliche Produkte, von Wärmedämmplatten bis zu Fertiggerichten, ein Kohlendioxyd-Verbrauchsprofil erhalten. Jeder Konsument kann dann beobachten, wie sich sein Verhalten auf die Umwelt auswirkt.

Ein paar Beispiele: wenn man mäßig verschmutzte Wäsche bei 30 Grad Celsius in der Waschmaschine wäscht, hinterlässt man nach Berechnungen der Firma Persil einen CO2-Fußabdruck von 240 Gramm pro Waschgang. Wäscht man mit 60 Grad Celsius, sind es 750 Gramm.

Beim Haarewaschen unter der Dusche verbraucht man 290 Gramm, wenn man die Dusche die ganze Zeit über laufen lässt, und bei 40 Grad heißem Wasser duscht. Stellt man die Dusche während des Einschäumens jedoch ab, und duscht man nur bei 37 Grad, sind es nur noch 185 Gramm pro Haarwäsche.

Statistisch gesehen liegt der CO2-Fußabdruck der Bundesbürger täglich bei 30 Kilogramm, von der Ernährung über das Wohnen bis zur Mobilität. Zusätzlich wird für die Herstellung von Gütern und Dienstleistungen noch weiteres Kohlendioxyd freigesetzt, so dass es in Deutschland pro Kopf jährlich 11 Tonnen sind.

Die USA verbraucht zurzeit mehr als 20 Tonnen jährlich pro Kopf, und sogar China liegt schon bei vier Tonnen Treibhausgas-Ausstoß. Wenn jedoch die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 nicht um mehr als zwei Grad zunehmen soll, dürften die Industrieländer langfristig nur zwei Tonnen Kohlendioxyd pro Kopf und Jahr produzieren. Die Klimaforscher hoffen nun, dass Bewusstsein das Verhalten der Konsumenten entscheidend beeinflussen wird, und sich eine Kennzeichnung pädagogisch auswirken wird.
Quelle: Berliner Morgenpost

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