Immer wieder mal Thema - zurzeit wieder akut: Firmen kaufen sich positive Bewertungen für ihre Produkte - oder machen die Angebote ihrer Mitbewerber schlecht. So hat der Computerhersteller Belkin gestanden, sich bei amazon positive Bewertungen für einen Router gekauft zu haben, der bei den Verbrauchern negativ bewertet worden war. Aber was kostet so eine “Spam-Bewertung” eigentlich?
Die Kampagne war von einem Mitarbeiter von Belkin geleitet worden. Er sucht nach privaten Community-Mitgliedern bei amazon in den USA, die bereit waren, gefälschte Positiv-Bewertungen ins Netz zu setzen. Für eine Bewertung zahlte er nach eigenen Angaben 65 Cent. Der Präsident von Belkin, Mark Reynoso, entschuldigte sich bei der Öffentlichkeit und versprach, die gefälschten Rezensionen wieder aus dem Portal zu nehmen. Er betonte, der Mitarbeiter habe eigenmächtig und ohne sein Wissen gehandelt.
Auch in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen um gefälschte Rezensionen. Vor knapp einem Jahr hatte Galileo Press versucht, amazon zu bewegen, gefälschte Bewertungen über den Anbieter von Computer-Zubehör vom Portal zu nehmen. Wettbewerber hatten zuerst Galileo Artikel schlecht gemacht - und später Pseudo-Positiv-Bewertungen veröffentlicht, die dem Ruf des Unternehmens Schaden zufügten. Jeder, der diese Lobhudeleien las, sollte und musste denken, Galileo hätte sie selbst eingeschmuggelt.
Auch bei Ciao, Yopi und dooyoo gibt es gekaufte Community-Mitglieder, die für wenige Cent bereit sind, Produkte als gut zu bewerten. Auf die Schliche kommt man diesen Leuten nur, wenn man ihre Bewertungen auf mehreren Bewertungsportalen vergleicht. Da wird schnell deutlich, dass sie (unerlaubterweise) häufig ein und denselben Text immer wieder einfügen und als ihren Bewertungsbericht ausgeben. Oder anhand der Produktpalette, die sie bewertet haben -und die oft von wenigen ausgewählten Herstellern sind… Und hat man einen “Billig-Spamer” gefunden, kann man anhand seiner “Freunde” schnell der ganzen Clique auf die Spur kommen.
Amazon, Ciao und die anderen Portale sehen diesen Missbrauch gelassen. Verhindern kann man es nie - doch der natürliche Selbstreinigungsprozess von Millionen von Mitgliedern sorgt doch dafür, dass diese Fälschungen nicht zuviel an Gewicht erhalten.
Ehrlich währt am längsten - und die große Blogger-Szene straft sofort unerbittlich ab, wenn sich solche Firmen im Web 2.0 tummeln. Auch der Computerhersteller Belkin erleidet einen dermaßenen Vertrauensverlust bei potentiellen Kunden durch die Affaire, dass es sich wahrlich nicht gelohnt hat (obwohl 65 Cent für Lügen zugegebenermaßen erschreckend billig sind…)
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