Führungsposition oder Mutterschaft? Der Fall Dati erzürnt Frankreichs Feministinnen

In Frankreich ist es weit selbstverständlicher, dass Mütter arbeiten und Karriere machen als in Deutschland. Kinder werden spätestens ab Schulbeginn ganztags betreut und gefördert, und die meisten Mütter genießen auch die Ganztagsbetreuung im Kindergartenalter. Doch der aktuelle Fall der Justizministerin Rachida Dati, die schon 5 Tage nach der Entbindung wieder an ihren Schreibtisch zurückkehrt, wühlt auf: wird von Karriere-Frauen vielleicht tatsächlich verlangt, dass sie auf den Muterschutz verzichten?

In Frankreich beträgt der Mutterschutz 16 Wochen - in Deutschland sind es nur nur 6 Wochen. Viele Französinnen kehren direkt nach dieser Schutzfrist zurück an den Arbeitsplatz. Doch Frankreichs Feministinnen befürchten, dass Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, immer häufiger dem Druck unterliegen, schon viel früher zurück in den Beruf zu gehen. Anscheindend ist der Fall Dati kein Einzelfall.

Die engagierten frauenbewegten Journalistinnen sind empört über das Verhalten der Justizministerin. Sie befürchten, dass ihr Verhalten Akzente setzt und als Vorbild von Arbeitgebern genutzt weren könnte, um Gleiches von anderen Müttern zu fordern. Denn schnell ist man “draußen”, wenn man in Führungskreisen arbeitet. 4 Monate sind eine lange Zeit in Management und Führung - nach Studienergebnissen werden Manager im Schnitt alle 2 - 3 Jahre ausgewechselt.

Es kann gut sein, dass auch Rachida Dati nicht ganz freiwillig gehandelt hat. Gut informierte Kreise berichten, dass Präsident Sarkozi die unkonventionelle Ministerin bei nächster Gelegenheit auf eine weniger wichtige Position abschieben will. Die Ministerin ist ledig und verschweigt beharrlich den Namen des Vaters ihrer Tochter Zohra.

Vergleich Frankreich/ Deutschland: Frauen und Mütter in Führungspositionen

Deutschland:
nur eine einzige Frau hat es geschafft, in den Vorstand eines DAX-30-Unternehmens zu kommen: es ist Barbara Kux bei Siemens. Die Quote der Frauen, die überhaupt in Führungspositionen bei DAX-30-Konzernen aufgestiegen sind, liegt in Deutschland noch immer unter 10 Prozent. Bei den größten 200 Unternehmen Deutschlands liegt die Zahl der Frauen, die in Vorständen arbeiten, ebenfalls unter 10 Prozent.

Bei der Ausbildung von Deutschlands Top-Managern sind zwar etwa 50% der Hochschulabsolventen Frauen - doch im Berufsalltag übernehmen die Männer das Zepter - vor allem in der Industrie und bei den Autoherstellern sind nur sehr selten Frauen bis in entscheidende Positionen aufgestiegen. Und die Frauen,die es geschafft haben, stehen oft im Ruf “männlicher” als ihre männlichen Kollegen zu sein - es haben eben nur Frauen mit ausgeprägtem Macht-Instinkt und Ehrgeiz überhaupt eine Chance.

Mütter sind in Deutschland vor allem in 400-Euro-Jobs tätig - oder halbtags. Vollzeitkräfte arbeiten meist in weniger qualifizierten Berufen oder typischen akademischen Frauenberufen wie Grundschullehrein. Wir leben in einer Gesellschaft, die selbstverständlich von Müttern erwartet, sich hauptsächlich um die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder zu kümmern - für Karriere ist da nur selten Platz. Nur 32 Prozent der weiblichen Führungskräfte leben in Familien mit Kindern.

Frankreich:
vor einigen Monaten machte Frankreich Schlagzeilen wegen seines “Babybooms”. Erstmals seit 3 Jahrzehnten bekommen Frankreichs Frauen im Durchschnitt mehr als zwei Kinder und werden Europas Kinderzahl-Sieger. Bereits seit den 60er Jahren wird in Frankreich vom Staat für die berufstätige Mutter geworben. Beruf und Karriere sind heute selbstverständlich - “Mutterglucken” verpönt, “Rabenmütter” unbekannt.

Die drei Säulen der Familienförderung in Frankreich sind
1. Geldleistungen,
2. ein umfassendes Betreuungssystem,
3. ein spezielles Familienbesteuerungssystem

Während in Deutschland die Kinderzahl mit dem Ausbildungsgrad der Mutter abnimmt - Akademikerinnen bekommen meistens nur 1 Kind, spielt in Frankreich die Qualifikation der Frauen statistisch gesehen keine Rolle für die Anzahl der Kinder.

Was nun wünschenswerter ist: die Führung eines “erfolgreichen kleinen Familienunternehmens” in Deutschland oder die große Business-Karriere in Frankreich - solange die Beziehung intakt ist und die Klein-Familie ein Hort der Sicherheit, sicher eine viel zu diskutierende Frage…

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