Gehirn-Doping: immer mehr Akademiker greifen zu Ritalin und Adderal

Medikamente, die Konzentration, Leistungsfähigkeit und Merkfähigkeit fördern sollen, sind vor allem in den USA hoch im Kurs. Jeder fünfte naturwissenschaftliche Wissenschaftler aus den USA greift einer Umfrage nach zu Amphetaminen und verwandten Substanzen wie Ritalin und Adderal.

Als legales anregendes Genussmittel wurde viele hundert Jahre lang vor allem die Kaffeebohne genutzt. Doch heute scheint das konzentrationsfördernde Getränk vielen beruflich gestressten Akademikern nicht mehr zu reichen: 5 bis 15 Prozent der amerikanischen College-Studenten geben bei einer Umfrage an, auf rezeptpflichtige Medikamente zurückzugreifen, um effektiver lernen zu können und Prüfungsblockaden zu beseitigen.

Am häufigsten geschluckt wird Ritalin, das 1944 erfunden wurde, und in den letzten Jahren seinen Siegeszug angetreten hat bei der Behandlung von “Zappelphilipp-Kindern”. Drei bis sechs Prozent der Kinder in Deutschland leiden am so genannten ADHS-Syndrom, dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom.

Noch immer konnte nicht erforscht werden, welche pathologischen Veränderungen bei den diagnostizierten ADHS-Kindern medizinisch vorliegen. Es wird angenommen, dass eine Störung des Dopaminhaushalts vorliegt, doch genauso gut können familiäre und umweltbedingte Schwierigkeiten Unruhe, Aggressivität und Konzentrationsstörungen auslösen. Tatsache ist, dass die Verschreibung von Ritalin in den vergangenen zehn bis 15 Jahren um fast 300 Prozent gestiegen ist.

Auch immer mehr Erwachsene möchten in den Genuss des Doping-Medikaments, das dem Kokain ähnelt, kommen. In den USA ist das weniger schwierig als in Deutschland, denn hier unterliegt  Ritalin dem Betäubungsmittelgesetz. Erwachsenen wird das Medikament nur zögerlich und nach strenger Indikation verordnet. Doch die Wirkungen sind so verführerisch, dass auch in Deutschland der Ritalin-Wirkstoff Methylphenidat zur am weitesten verbreiteten Campus- und Manager-Droge geworden ist, wenn auch meist auf Umwegen besorgt und selten auf Rezept.

In den USA hat sich der alltägliche Gebrauch hingegen so etabliert, dass immer mehr Akademiker die Freigabe der “Gehirnbooster” fordern. Beim Militär werden die Mittel schon regulär eingesetzt, um die Leistungsfähigkeit, vor allem bei älteren Soldaten, gezielt zu fördern. In einem offenen Brief an das Wissenschaftsjournal “Nature” fordert nun eine Gruppe amerikanischer Ethiker, Psychologen und kognitiver Neurowissenschaftler, dass Mittel wie Ritalin und Adderal legalisiert werden müssten, weil sie “im Gegensatz zu Doping beim Sport” zu “wichtigen Verbesserungen in der Welt” führen.

Der Politologe Francis Fujkuyama warnte schon 2002 in seinem Buch “Our Posthuman Future”, dass die Zukunft der Doping-Medikamente unser Leben entscheidender verändern wird als die Gen-Technologie. Zumindest wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis legale Stimulanzien, die psychische und geistige Veränderungen bei gesunden Menschen bewirken sollen, in den Alltag einziehen und ebenso selbstverständlich werden wie das Wellness-Medikament Viagra.

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